Individuelle Lernsettings

Einsatz in modernen Lernlandschaften

Wo die Lehrkraft begleitet statt vorträgt, verschiebt sich die Last: Was sonst die Erklärung an der Tafel leistet, muss das Material leisten. Genau darauf ist ein NexaMINT-Modul gebaut – nicht als nachträgliche Anpassung, sondern in seinem Aufbau.

Naturwissenschaftlicher Fachraum: Mehrere Gruppen arbeiten gleichzeitig an verschiedenen Tischen – an Mikroskopen, an einem Gruppentisch mit Material – während die Lehrkraft sich zu einer Gruppe hinunterbeugt. An den Wänden Übersichten zu Zelle, Energie, Kraft und Nachhaltigkeit, im Vordergrund Materialkisten.

Der Kern

Acht Eigenschaften, die selbstständiges Arbeiten tragen

Keine Absichtserklärungen: Jede dieser Eigenschaften ist ein Bestandteil, der in jedem ausgearbeiteten Modul vorhanden ist.

Stationen statt einer Stundenfolge

Jede Station besteht aus Stationskarte, Versuchsanleitung und Logbuchseite und ist auf eine Doppelstunde und ein Team aus drei bis vier Personen ausgelegt.

Ein Modul zerfällt nicht in Arbeitsblätter, sondern in zehn bis zwölf abgeschlossene Arbeitsplätze. Sie müssen nicht erst zu Lerninseln umgebaut werden – sie sind welche.

Hilfekarten in vier Stufen

Impuls, Teilschritt, Rechenweg, Musterlösung – zu jeder Station des Moduls. Die genutzte Karte wird im Logbuch angekreuzt und kostet keine Punkte.

Eine Gruppe, die feststeckt, kommt allein weiter, statt zwanzig Minuten auf die Lehrkraft zu warten. Weil die Nutzung nicht bestraft wird, greift sie auch wirklich zur Karte.

Zwei Sprachfassungen in jedem Schülerdokument

Die Niveaus Standard und Sprachstütze, dazu Wortschatzkarten, Satzbausteine und ein Cheat-Sheet auf einer Seite.

Selbstständiges Arbeiten scheitert selten am Fach und oft an der Formulierung. Wer die Aufgabe entschlüsseln kann, kommt ohne Lehrkraft in Gang – und genau darum geht es.

Das Logbuch als laufende Dokumentation

Jede Station hat ihre Logbuchseite mit Feldern für Vermutung, Messwerte, Auswertung und Rückblick. Es liegt in beiden Sprachfassungen vor.

Der Stand von acht Gruppen wird sichtbar, ohne jede einzeln abzufragen. Die Lernenden dokumentieren ihren Weg selbst – das ist die Voraussetzung dafür, dass Begleiten überhaupt funktioniert.

161 Punkte in 47 Einzelpositionen

Das Bewertungsraster weist jede Position aus, dazu gibt es einen Erwartungshorizont zum Modulabschlusstest.

Wer wissen will, woran das eigene Ergebnis gemessen wird, kann es nachlesen, bevor er anfängt. Ohne diese Transparenz wird Eigenverantwortung zum Ratespiel.

Die Optimierungsschleife als Pflichtteil

Erster Durchlauf mit Messwert, benannte Schwachstelle, genau eine begründete Änderung, zweiter Durchlauf, Vergleich. Bewertet wird die Durchführung, nicht das Ergebnis.

Reflexion ist damit kein Zusatzblatt am Ende, sondern der Kern der Bewertung. Auch ein ehrlich dokumentierter Fehlschlag ist vollwertig.

Differenzierung nach oben und nach unten

Für schnelle Gruppen sind zusätzliche Anforderungen ausgewiesen, für Gruppen mit mehr Zeitbedarf vorstrukturierte Wertetabellen, arbeitsteilige Messverfahren und vorgezeichnete Konstruktionsblätter.

Unterschiedliches Tempo ist eingeplant, nicht ein Problem, das die Lehrkraft im Betrieb lösen muss.

Bearbeitbare Word-Vorlagen

Die Schüler- und Unterrichtsmaterialien liegen zusätzlich als bearbeitbare Word-Dateien vor.

Wer eigene Lernpläne, Farbcodes oder Aufgabenformate nutzt, passt das Material daran an, statt es neu zu schreiben.

Im Einzelnen

Eine Station ist ein fertiger Arbeitsplatz

Drei Bestandteile gehören zu jeder Station: die Stationskarte mit Auftrag und Ziel, die Versuchsanleitung mit dem Weg und die Logbuchseite für Messwerte, Auswertung und Rückblick. Dazu nennt die Materialliste, was auf dem Tisch liegen muss – und welcher Alltagsgegenstand ein fehlendes Gerät ersetzt.

Offener Fachraum mit mehreren Arbeitsplätzen: Lernende mikroskopieren, schreiben ins Logbuch, bestimmen Fundstücke aus Sortierschalen und arbeiten an einem Gruppentisch mit der Lehrkraft. An der Seite beschriftete Materialkisten.
Mehrere Stationen laufen nebeneinander – jede mit eigenem Material, eigenem Auftrag und eigenem Tempo.

Die Stationen sind bewusst verschieden

Im Mustermodul 7.4 sind sieben Stationen quantitativ, zwei halbquantitativ, zwei qualitativ und eine ist reine Modellkritik. Wer beim Messen stark ist, trifft nicht zwölfmal dieselbe Anforderung – und wer dort schwächer ist, hat andere Stellen, an denen er zeigt, was er kann.

Individuell ist das Tempo, nicht die Auswahl

Die Stationen bauen fachlich aufeinander auf. In Modul 7.4 liefert Station 6 die selbst gemessene Brennweite, mit der Station 7 die Bildweite vorhersagt. In Modul 7.6 brauchen zwei Ansätze Vorlauf – der Keimversuch fünf Tage, die Hydrokultur drei Wochen. Diese Abhängigkeiten stehen im Lehrerhandbuch als Reihenfolge, nicht als Empfehlung.

Das ist eine echte Einschränkung, und wir schreiben sie hin: Ein NexaMINT-Modul ist kein freies Angebot, aus dem sich jede Gruppe beliebig bedient.

Die vier Hilfestufen

Zu jeder Station des Moduls, im Wortlaut des Lehrerhandbuchs:

  1. Impuls – eine Rückfrage, die auf die Lücke zeigt
  2. Teilschritt – der erste Schritt wird vorgemacht
  3. Rechenweg – Formel und Einsetzen stehen da, das Ergebnis fehlt
  4. Musterlösung – vollständige Lösung zum Abgleich

Dazu Projektkarten für die typischen Bauprobleme – im Mustermodul 7.4 etwa „Bild bleibt unscharf“ oder „Gutachten wird nicht fertig“.

Die Regel, auf die es ankommt

Die genutzte Hilfekarte wird im Logbuch angekreuzt. Das kostet keine Punkte. Bewertet wird der Weg vom Hilfebedarf zur Selbstständigkeit.

Ohne diese Regel nutzt niemand die Hilfen – und die Gruppen bleiben stehen, statt weiterzuarbeiten.

Ein Rhythmus über alle Module

Der Forscher-Kreis macht die Arbeitsform vorhersehbar

Acht Schritte, die in jedem Modul dieselben sind: von der Frage über Vermutung, Planung, Durchführung und Auswertung bis zum Rückblick.

Diagramm des Forscher-Kreises mit acht Schritten: Problem und Thema erkennen, Forschungsfrage formulieren, Vermutung aufstellen, Materialien zusammenstellen, Experiment durchführen, genau beobachten, Ergebnisse auswerten und deuten, dokumentieren und präsentieren.
Einmal gelernt, dann trägt er. Der Forscher-Kreis wird im ersten Modul der Klassenstufe 5 eingeführt und in jedem weiteren benutzt – bis in die Sekundarstufe, dort mit höheren Anforderungen an Messung, Kontrollansatz und Auswertung. In einem Setting, in dem niemand vorn erklärt, wie heute gearbeitet wird, ist eine gleichbleibende Arbeitsform kein Detail: Sie ist der Grund, warum eine Gruppe ohne Ansage anfangen kann.

Für die Lernbegleitung

Was die Lehrkraft dafür in die Hand bekommt

Begleiten statt vortragen heißt nicht weniger Vorbereitung, sondern eine andere. Diese Unterlagen liegen in jedem Modul bereit.

Die typischen Fehlvorstellungen, vorher benannt

Jedes Modul führt auf, welche Fehlvorstellungen erfahrungsgemäß auftreten und wie sie sich drehen lassen. Wenn man ihnen einzeln am Tisch begegnet statt gesammelt an der Tafel, muss man sie vorher kennen.

Bewertungsraster und Erwartungshorizont

47 Einzelpositionen und ein Erwartungshorizont zum Test. Damit wird Rückmeldung im Vorbeigehen belastbar statt Bauchgefühl – auch dann, wenn man acht Gruppen an acht verschiedenen Stellen betreut.

Sprachmaterial zum gezielten Ausgeben

Wortschatzkarten, Satzbausteine und Cheat-Sheet sind eigenständige Dokumente. Sie lassen sich einzelnen Gruppen geben, ohne dass die ganze Lerngruppe etwas anderes bekommt.

Vorbereitung mit ausgewiesenen Vorlaufzeiten

Die Materialliste nennt, was Tage oder Wochen vorher angesetzt werden muss. Wenn mehrere Gruppen zu unterschiedlichen Zeitpunkten an derselben Station arbeiten, entscheidet das über Betrieb oder Stillstand.

Ehrlich bleiben

Was NexaMINT dafür nicht leistet

  • Es ist nicht erprobt. Kein Modul war bisher in einem offenen Setting im Einsatz – auch sonst in keinem regulären Unterricht. Was auf dieser Seite steht, ist aus dem Aufbau der Module abgeleitet, nicht aus Erfahrung.
  • Die Reihenfolge ist teilweise gesetzt. Individuell sind Tempo und Tiefe, nicht die Auswahl der Stationen.
  • Der Zeitrahmen steht. Ein Modul umfasst 36 Stunden in 18 Doppelstunden über sechs Wochen. Ein Setting, das vollständig jahrgangsübergreifend und ohne festen Takt arbeitet, müsste das anpassen.
  • Nicht jede Station ist unbeaufsichtigt möglich. Wo mit offener Flamme, Chemikalien oder Werkzeug gearbeitet wird, gelten eigene Regelsätze. Die Module weisen sie aus; sie ersetzen keine Aufsicht.
  • Die Diagnostik ist nicht digital. Der Kompetenzcheck ist ein Dokument, kein Werkzeug, das einer Lernplattform automatisch einen Lernstand meldet.

Wir nennen an dieser Stelle bewusst keine Wirkungsversprechen. Ob die Module in einem offenen Setting tragen, zeigt sich erst, wenn Schulen sie dort einsetzen.

Genau dafür suchen wir Pilotschulen

Schulen, die individualisiert arbeiten, sind für die Erprobung besonders interessant: Sie stellen die Fragen, die im Frontalunterricht gar nicht auftauchen.

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Beide Mustermodule zeigen alle zwölf Stationen, die Hilfestufen, das Logbuch und das Bewertungsraster im Einzelnen.

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